Liebes Tagebuch!

Ein Tagebuch kann man auf sehr verschiedene Weise führen. Diente es früher eher dazu, persönliche Erlebnisse chronologisch festzuhalten, versteht man es heute als ein kreatives Verfahren zur Selbsterforschung und persönlichen Orientierung. Neben den klassischen Varianten, in denen man vor allem dokumentiert, kann man auch ein spezielles Thema wählen, zu dem man sich befragt und schreibt. Sich auf ein Thema zu konzentrieren gibt dem Schreiben eine Richtung und kann den Zeitaufwand begrenzen.

 

Dankbarkeits-Tagebuch.

Man erstellt eine Liste von Menschen, Ereignissen oder Konflikten und stellt dabei immer die Frage: Welche Erfahrung, welche Entwicklung verdanke ich ihnen? Schreibend versucht man größere Zusammenhänge zu erkennen und eine Haltung von Wertschätzung einzunehmen. Das erste bekannte Muster eines solchen Tagebuchs schrieb der viel zitierte Philosoph und römische Kaiser Marc Aurel (121 – 180). Gegen Ende seines Lebens erwähnte er darin alle Menschen, die für ihn bedeutsam und hilfreich gewesen waren. Er nannte dabei sowohl diejenigen, die ihm wohl gesonnen als auch jene, die ihm unsympathisch oder feindlich erschienen waren. Er betonte, wie seine Erfahrungen auch mit unsympathischen Zeitgenossen für seine Entwicklung wichtig und wegweisend gewesen waren.

 

Schwangerschafts- oder Baby-Tagebuch

Wenn ein Kind in das eigene Leben tritt, ist das ein besonders intensiver Lebensabschnitt. Wer die Entwicklungen und das eigene Erleben aufmerksam dokumentiert, schafft auch für die Kinder ein Buch in Händen von unschätzbarem persönlichem Wert.

 

Journal

Ein Journal kann sowohl persönliche Aufzeichnungen enthalten als auch Ideen, Beobachtungen, Erkenntnisse und Fragen. Das Journal hat seinen Platz im Lebensalltag mit all seinen Facetten: in Studium, Beruf und Privatleben. Viele Schreibende nutzen die Form des Journals, um für sich Ziele zu finden, zu formulieren und die Entwicklungen dorthin zu dokumentieren.

 

Weblog

Ein Weblog, oft nur Blog genannt, ist die digitale Form des Tagebuchs im Internet. Im Gegensatz zum herkömmlichen Tagebuch, das untere Verschluss gehalten wird, können alle, die es wollen, darin lesen und das Geschriebene auch kommentieren.

„Blogger“ schreiben  in regelmäßiger Folge zu Gedanken und Ereignissen, dokumentieren Reisen oder verfolgen ein bestimmtes politisches oder kulturelles Interesse, über das sie die Allgemeinheit informieren oder für das sie andere gewinnen wollen.

 

Zeit-Tagebuch

Man notiert zeitgeschichtliche Ereignisse aus Kultur, Gesellschaft und Politik und versieht sie mit persönlichen Eindrücken und Kommentaren. So kann ein eindrucksvolles Dokument entstehen, das zeigt, wie ein Mensch in seiner Zeit lebt, selbst in seiner Zeit gestaltend wirkt. 

 

Traum-Tagebuch

Möglichst direkt nach dem Aufwachen schreibt man seine Träume in dieses Buch. Das Übersetzen der Traumbilder in Sprache kann dazu beitragen, dass sie sich leichter erschließen. Liest man sein Tagebuch, kann man erahnen oder erkennen, wofür bestimmte Traumbilder stehen, wann sie auftauchen oder sich verändern.

 

Glücks-Tagebuch

Möglichst jeden Abend schreibt man drei Momente oder Ereignisse auf, die man als positiv oder sogar beglückend erlebt hat. Am nächsten Morgen liest man diese Notizen und startet damit in den Tag.

 

Publik Forum Nr. 21                                     7. November 2014